Monatliches Archiv: April 2012

machtWORTE! zu Gast bei MachtWorte! der Friedrich Ebert Stiftung

 machtWORTE! trifft MachtWorte!

Am 9. Februar 2012 waren wir mit einer Delegation unseres Vereins machtWORTE! e. V. von der Friedrich Ebert Stiftung zu einer Veranstaltung eingeladen, die witzigerweise „MachtWorte! Wie Sprache und Kultur einander bedingen“ heißt (…erst dachten wir an Ideenklau, dann an morphologische Feldwirkung..).

Hier sollte mit verschiedenen Expert_innen besprochen werden, was Sprache und Integration miteinander zu tun haben und was in diesem Zusammenhang „interkulturelle Kompetenz“ und „interkulturelle Kommunikation“ bedeuten. Geladen waren Dr. Naika Foroutan, Humboldt-Universität zu Berlin, Projekt „Hybride Identitäten“, Prof. em. Dr. Lutz Götze, Universität des Saarlandes, Lehrstuhl Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Lieselotte Martens, Pädagogin und Multiplikatorin im Bereich „Interkulturelle Bildung/Erziehung und Sprachförderung“, Aydan Özoguz, MdB, Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Hilal Sezgin, Schriftstellerin, Journalistin und Publizistin.

 Der Mann der Runde nicht nur der Einzige, sondern auch klar argumentativ und in der Weite der Perspektive unterlegen. Hat der Diskussion dennoch keinen Abbruch getan, sein Zitat Goethes „Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ ist mir lange im Gedächtnis geblieben.

An dem Begriff der Toleranz immer wieder spannnend ist die eigentliche Wortherkunft aus dem Lateinischen, in der es mit „Billigung“ übersetzt werden kann. Wenn also alle von Toleranz reden, ist die eigentliche Wortbedeutung nicht explizit benannt, schwingt aber dennoch mit. Und da kommen wir zur Verbindung zu uns und unserem Buch. Wir benutzen so viele Wendungen, Redeweisen, … , Anrufungen, die wir für harmlos und „normal“ halten. In kritischer Auseinandersetzung mit der (deutschen) Sprache allerdings offenbaren sich in vielen (Sprech-)Situationen Machtverhältnisse, die durch Sprache hervorgebracht und gefestigt werden.

Einige dieser Machtverhältnisse und mögliche Hierarchisierungen haben wir in unserem Kinderbuch angesprochen und versucht, durch Irritationen des angeblich „Normalen“ zu irritieren. Auf Ebene der Diskussion ging es in erster Linie um den Zusammenhang von Sprache, Integration und Bringschuld-hier tritt dann die Frage nach Toleranz (ohne Begriffsdiskussion) und politischen Aspekten stärker in den Vordergrund.

Aber selbst diese Form der Auseinandersetzung findet sich in unserem Buch. Wir fragen: Wer ist eigentlich die Deutschen? Hier geht es nicht nur um Sprache, sondern vielmehr um (auch politische) Macht und Anerkennung. Die Diskussionsrunde konnte in der Theorie die aktuellen Debatten, Ideen, Reflexionen und Forschungsstandpunkten zum Thema in kritischer und verständlicher Weise vermitteln, dennoch blieben Strategien und Interventionen für die Praxis ein weites Feld, das erst bestellt werden will. Hier sind wir und pflanzen unsere kleinen Samen macht in die Erde.

Mögen daraus große machtWORTE! werden.

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